Black, But Green (Russian)

Salman Masalha, "Black, But Green", translated into Russian by Gali Dana Singer

5 poems



Salman Masalha

Das Gedicht

Nehmt dem Meer seine Fische
Bringt die Wolken zurück in den Fluss
Hebt die Last der schwangeren Frauen
Von der Bräune der Lippen des Kindes.
Die Zweige des Leids sind belaubt
Und voller Trauer die Märchen
Die aus den Brüsten der Witwen fließen
Wenn die Propheten fortzieh'n
Dann trauert nicht dem Vermissten nach
Und sagt nicht, sagt nicht
Die Hoffnung
Läge
Im Gedicht.


***

Abtreibung

Ich bin im Staub der Straßen geboren
Meine Hände waren Segel
Und ich war der Sturm
Und der Bürgersteig war ein Herbst
Er tat sich auf unter meinen Schuhen
Als Quellen und Lied oder Nachricht.
Ich wachse auf wie der Staub in der Ecke
Der vielen Schritte
Und des Windes wegen.
Meine Wunde treibt Blätter
An der Kreuzung der Sraßen
Sondert Zivilisationseiter ab und
Zündet sich eine Zigarette an inmitten des Lärms
Und trägt ihren leeren Korb
Und fällt zu Boden
Aber sie ist der Abgrund.

***

Das Kleine Mädchen aus Gaza

Das kleine Mädchen aus Gaza baut Nester
Aus Meeresfedern, und der hinter
Der Mauer steht, versteckt in seinen Augen eine Kette
Aus Erinnerungsblättern. Nachdem das Kind
Mit wilden Schritten die Straße überquert hat
Schlüpfen Geschichten aus den Nestern
In der Farbe des Nachmittags laufen Kinder umher
Sie erlauschen aus dem Sand
Der Wüste die leise Stimme
Am Abend löst sich die Kette aus den Augen
Benetzt den Weg zum Meer
Die Nacht schickt das Lächeln
Ins Exil. Der Dichter
Tut seinen letzten Atemzung.

***

Die Sprache der Dichter

Ein Liebender tötet nicht sienesgleichen. Der Fuchs
Frisst heimlich, wenn er hungrig ist. Wer in dieser Welt
Nach etwas sucht, hat seine Lektion nicht gelernt.

Und wir, die Dichter, was sollen wir
Den einfachen Menschen sagen? Sollen wir sagen, das wir
Seit Anbeginn der Schöpfung nichts als Staub gewesen sind,
oder sollen wir schweigen?
Doch wie lässt sich die Sprache des Schweigens
An einen verkaufen, der Umsatz macht?

***

Über die Wüste

Wenn ich hinausziehe zum Grassuchen
So wei sie's mir in den Ersten Büchern aufgetragen haben
Dann nehm' ich ein paar weiße Blätter Papier
Und ein Faxgerät mit. Manchmal
Trag' ich auch einen Walkman,
Der nur FM empfäng. Ich brauche keine Mittel-
Und Kurzwelle. Denn in der Ödnis
Des Leeren Viertels helfen keine Sendemasten
Auch bei meinen verstreut lebenden Stämmen
Und Verwandten nicht.
Ich fürchte, wenn ich fieberhaft
Ausschau halte nach meinen Befinden
Und dabei außer Atem gerate
Dass dann die Stürme und die Winds des Samum
Mich packen. Stattdessen wälze ich mich
In durstigen Echos
Die mit den ersten Strahlen der Sonne ertönen
Eine alte Melodie zu mit tragend
Die der Wind von überall her
Zusammengeholt hat. Und wenn ich
Erschrocken aus meinem Schläfchen erwache

Wie konnten die Sandweiber an ihm kleben?
Ich entferne sie wie Haar aus dem Teig der Seele.

So bleib' ich bei meinen Herden und meiner Abgeschiedenheit
Ziehe weiter durch meine ersten Steppen
Bis ans Ende der Tage
Ohne dass einer mich jemals sieht.

*****

Anthologie: Nach dem letzten Himmel, Neue Palastinensische Lyrik, herausgegeben von Khalid Al-Maaly, aus dem Arabischen von Khalid Al-Maaly und Heribert Becker, Kirsten Gutke Verlag / Koln-Frankfurt 2003
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